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Ernst-Jandl-Preis für Lyrik

Zum Gedenken an den am 9. Juni 2000 verstorbenen Autor und Dichter Ernst Jandl wurde 2001 der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik gestiftet, der im Zwei-Jahres-Rhythmus an deutschsprachige Dichter:innen vergeben wird. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Preisverleihung im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage

Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport des Jahres 2021 wird – coronabedingt – am 18. Juni 2022 im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage überreicht.

Ausgezeichnet wird mit dem Preis die österreichische Autorin Brigitta Falkner.

Ernst-Jandl-Lyriktage 2022

17. bis 19. Juni in Neuberg an der Mürz/Steiermark
Programm: Ernst-Jandl-Lyriktage 2022

Preisträgerin 2021

Brigitta Falkner

Brigitta Falkner
Brigitta Falkner: Gewinnerin des Ernst-Jandl-Preises 2021 Foto: Brigitte Falkner priv.

"... unermüdliche Forscherin, deren Sprache ihr (und uns) als wendiger Lotse vorauseilt"

Falkner debütierte 1992 mit dem Buch "ABC – Anagramme Bildtexte Comics" (Edition Das fröhliche Wohnzimmer), gefolgt von "TobrevierSCHreiverbot – Palindrome" (Ritter Verlag 1996,) "Fabula rasa oder Die methodische Schraube" (Ritter Verlag 2001), "Bunte Tuben – Anagramm" (Urs Engeler Editor 2004) und "Populäre Panoramen I" (Klever Verlag 2010).
Ihr Buch „Strategien der Wirtsfindung“ (Matthes & Seitz 2017) stand auf der Shortlist zum Österreichischen Buchpreis 2017 und erhielt den Preis der Hotlist 2017 für das beste deutschsprachige Buch, das in einem unabhängigen Verlag aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz erschienen ist.

Jury:
Dr.in Hanna Engelmeier; Mag. Paul Jandl, Dr. Thomas Poiss, Mag.a Monika Rinck und Dr. Ferdinand Schmatz

Begründung der Jury:

Der Ernst-Jandl-Preis 2021 geht an die österreichische Autorin Brigitta Falkner. Mit der Dichterin, Zeichnerin und Fotografin Brigitta Falkner prämiert die Jury eine unermüdliche Forscherin, deren Sprache ihr (und uns) als wendiger Lotse vorauseilt. Ja, wir kommen kaum nach.

Trittsicher verbindet sie die abgründige Logik der analytischen Philosophie, mit der knappen und wortkargen Komik eines schnaufend erwanderten Gesprächs in dünner Luft. Falkners Sprache führt uns in die vertrackte Welt des Anagramms und errichtet Panoramen, die sowohl innerlich wie äußerlich sind und spitzbübisch das Kleinste mit dem Größten verkuppeln. "Wurstsemmel blockiert Eisenbahntunnel", fasste Daniela Strigl vor mehr als 20 Jahren das Geschehen in Falkners "Populären Panoramen I" zusammen.

Die Deutung überlässt Brigitta Falkner ganz ihren Leser:innen, wie es ja eigentlich auch seine Richtigkeit hat. Eine Richtigkeit eben, die in der Freiheit der Interpretation besteht, mit der Falkner ihr Publikum großzügig und freimütig beschenkt. Fragen der Repräsentation verhandelt Falkner nicht nur im Zusammenhang mit dem Zeichensystem der Sprache, sondern auch im Rahmen eines metabolistischen Modells, an dem die Ökonomie von Erbärmlichkeit und Überfluss, von Fressen und Gefressenwerden, sichtbar wird.

Hier kommt der Parasit in den Blick, dem Falkner mit ihrem Opus Magnum "Strategien der Wirtsfindung" eine ganz eigene poetische Enzyklopädie vermacht hat. Mit Ernst Jandl teilt Falkner einen unsentimentalen, aber gar nicht herzlosen Blick auf die Transformationen, die den Menschen Zeit seines Lebens beschäftigt halten. Es gibt kein Haus ohne Parasiten, und all die kleinsten Wesen – könnten auch Gedanken sein. Es bleibt nichts, als herzlich zu gratulieren und ein Falknersches Doppel-Palindrom zu zitieren: "Sei fies, tu erfreut."

Zur Preisträgerin Brigitta Falkner

Geboren 1959 in Wien, lebt und arbeitet als Autorin und Künstlerin in Wien.

Webseite Brigitta Falkner

brigitta-falkner.org
Informationen, Materialien zur Autorin und zum Werk, Fotos und Filme 

Publikationen

  • Strategien der Wirtsfindung, Matthes & Seitz 2017
  • flugschrift #12, Hrsg. Dieter Sperl, Wien 2015
  • Populäre Panoramen I, Klever Verlag 2010
  • Bunte Tuben – Anagramm, Urs Engeler-Editor 2004
  • Fabula rasa oder Die methodische Schraube, Ritter Verlag 2001
  • TobrevierSCHreiverbot – Palindrome, Ritter Verlag 1996
  • Anagramme Bildtexte Comics, Das fröhliche Wohnzimmer-Edition 1992

Radiophone Arbeiten 

  • 2017: Habitat Sounds, Ö1 Kunstradio
  • 2002: AU! oder Die methodische Schraube, Ö1 Hörspiel
  • 1999: Prinzip i, Ö1 Kunstradio, Deutschlandradio Berlin
  • 1998: Das Absinken des Kehlkopfs, Ö1 Hörspiel

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2019: POESIS – Sprachkunst / Language Art, Kunsttempel Kassel; KUBIN@NEXTCOMIC, Sonderausstellung, Landesgalerie Linz
  • 2017: Strategien der Wirtsfindung, Einzelausstellung, Literaturhaus Wien
  • 2016: Bleistift, Heft & Laptop, Sonderausstellung, Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien
  • 2015: Ganz kleines Kino, Werkschau, Literaturhaus, Graz; Prinzip i – Trailer, Dauerinstallation, Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien
  • 2010: Die Ernst Jandl Show, Sonderausstellung, Wien Museum
  • 2005: Sprachkunst, Kunsttempel Kassel
  • 2002: Das Kunstvolle im Alltäglichen, Museum M.ART.A, Herford
  • 2000: Dynamische Zeichen – Poesie zwischen den Medien, Sonderausstellung, Gasteig, München
  • 1998: Bildtexte, Comics, Storyboards, Werkschau, Literaturhaus Wien

Kurzfilme (Auswahl)

  • 2021: Hybride Formen (1991–2021)
  • 2020: Der Indri
  • 2019: Strategien der Wirtsfindung #10; Strategien der Wirtsfindung #8–9
  • 2018: Strategien der Wirtsfindung #5–7
  • 2017: Strategien der Wirtsfindung #2–4
  • 2014: GLORY HOLE, Forum Stadtpark
  • 2013: Strategien der Wirtsfindung #1
  • 2012: THE MAKING OF; Flüchtige Architekturen; Methodische Dichtung (Selection 1999–2001)
  • 2011: Eine Gehung; Errötendes Mädchen; Strange Loops; Rilke lesen; Freud lesen; Kleins Hegel
  • 2010: Jandl lesen; Populäre Panoramen I 
  • 2007: Schmutzige Tricks; Prinzip i 

Auszeichnungen

  • 2022: Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2021
  • 2021: Veza-Canetti-Preis 
  • 2017: Preis der Hotlist; Shortlist zum Österreichischen Buchpreis
  • 2014: Textfilm made in Austria
  • 2011: Preis der Stadt Wien für Literatur
  • 2010: Heimrad-Bäcker-Preis
  • 2007: Österreichischer Förderungspreis für Literatur
  • 2002: Georg-Saiko-Reisestipendium

Preisträger:innen des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik
 

  • 2001: Thomas Kling
  • 2003: Felix Philipp Ingold
  • 2005: Michael Donhauser
  • 2007: Paul Wühr
  • 2009: Ferdinand Schmatz
  • 2011: Peter Waterhouse
  • 2013: Elke Erb
  • 2015: Franz Josef Czernin
  • 2017: Monika Rinck
  • 2019: Oswald Egger
  • 2021: Brigitta Falkner

(25. Mai 2022)