Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu. 

Kunst-Biennale Venedig 2021

Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl konzipieren den Österreichischen Pavillon der 59. Internationalen Kunstausstellung "La Biennale di Venezia 2021". Karola Kraus kuratiert.

Lunacek, Knebl, Scheirl, Kraus

Staatssekretärin Lunacek präsentierte am 25. Februar 2020 im Rahmen einer Pressekonferenz die von einer Fachjury ausgewählte Kuratorin und die Künstlerinnen für den österreichischen Beitrag zur 59. Internationalen Kunstausstellung "La Biennale di Venezia 2021".

Das Team und künstlerische Konzept zur Gestaltung des österreichischen Pavillons in den "Giardini" in Venedig 2021 stehen fest: den Beitrag Österreichs verantwortet Kuratorin und Museumsdirektorin Karola Kraus. Die Gestaltung übernehmen die Künstlerinnen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Basierend auf den Empfehlungen einer Fachjury, entschied sich Staatssekretärin für Kunst und Kultur, Ulrike Lunacek, für das Konzept von Jakob Lena Knebel und Ashley Hans Scheirl in Kooperation mit der Kuratorin Karola Kraus.

"Besonders überzeugt hat mich die Lebendigkeit, die Energie und das umfassende Vermittlungsprogramm des Beitrags von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Es zeugt von großer Weltoffenheit und künstlerischen Engagements. Zudem kommt auch der Humor und die Satire nicht zu kurz", begründet Staatssekretärin Lunacek ihre Entscheidung. Staatssekretärin Lunacek verwies auf die klar nachvollziehbare Vorgangsweise im Auswahlprozess. Die Vergabe wurde gemäß international üblicher Standards neu aufgestellt und folgte transparenten Kriterien.

Mitglieder der Jury waren

  • Silvie Aigner (Chefredakteurin Parnass),
  • Hemma Schmutz (Künstlerische Direktorin, Lentos Kunstmuseum Linz),
  • Jasper Sharp (Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst am Kunsthistorischen Museum Wien / Kurator Kunst-Biennale 2013) und
  • Erwin Wurm (Künstler, Vertreter Österreichs Biennale 2017).

"Ich danke der Fachjury für ihre professionelle und kollegiale Zusammenarbeit sowie den Expertinnen der Sektion für Kunst und Kultur für die gute fachliche Begleitung", so Lunacek. Während des seit Oktober 2019 dauernden dreistufigen Auswahlprozesses wurden insgesamt 60 Einreichungen zur Realisierung des österreichischen Biennale-Beitrags durchgesehen und diskutiert. "Die Entscheidung für einen Vorschlag für den Pavillon in Venedig ist eine Entscheidung für eine spezifische Position, die uns überzeugt hat, nicht aber gegen die anderen Vorschläge, die diesmal das Rennen nicht gemacht haben. In unseren Diskussionen stellten wir einhellig und mit Genugtuung die große Bandbreite von sehr guten Einreichungen fest, was den Auswahlprozess nicht einfach gemacht hat", erläutert Jurymitglied Hemma Schmutz.

Schmutz weiter: "die Diskussionen innerhalb der Jury waren von einem sachlichen und produktiven Dialog zwischen den Jurymitgliedern geprägt. Unsere Entscheidung erfolgte einstimmig und orientierte sich an den Kriterien innovativer Ansatz, Relevanz für den aktuellen internationalen und österreichischen Kunstdiskurs, Umsetzung des Projektes auf Basis der spezifischen räumlichen Gegebenheiten des Pavillons, klares Vermittlungskonzept, Einhaltung der Kostenvorgaben, Fach-und Methodenkompetenzen, Berufs- und Kommunikationserfahrung der Kuratorin / des Kurators."

Überzeugt hat die Jury letztendlich die formale und inhaltliche Dichte der Einreichung von Karola Kraus mit Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Unterschiedliche Faktoren wurden hier in idealer Weise kombiniert: die Auseinandersetzung und das Spiel mit geschlechtlichen Identitäten in der Tradition feministischer und queerer künstlerischer Herangehensweisen, der formal überzeugende Umgang mit den räumlichen Gegebenheiten des Pavillons in Form einer Raumcollage, die Einbeziehung der Besucherinnen und Besucher in Venedig, die Teil des Gesamtkunstwerkes werden, das geplante umfangreiche Begleitprogramm und die Erfahrung und kuratorische Kompetenz der Einreicherin Karola Kraus.

"Es ist für mich eine große Ehre und Freude, gemeinsam mit dem Biennalebüro und einem gut aufgestellten Team den Beitrag Österreichs bei der 59. Internationalen Kunstausstellung Biennale Venedig verantworten zu dürfen. Für das mir entgegengebrachte Vertrauen danke ich den Mitgliedern der Jury sowie der Staatssekretärin Ulrike Lunacek von ganzem Herzen. Meine Entscheidung für Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl liegt in der Aktualität und Brisanz ihrer Themen begründet, die sie in sinnlichen Arbeiten breitenwirksam verhandeln. Ihre von vielfältigen Verschränkungen zwischen Kunst, Performance, Design, Mode und Architektur geprägten Werke thematisieren aktuelle Diskurse, die international rezipiert werden", so Karola Kraus. "Ich bin überwältigt, die Chance zu bekommen, gemeinsam mit Ashley Hans Scheirl Österreich bei der Biennale Venedig vertreten zu dürfen. Ich habe in den letzten Tagen die seltsame Erfahrung eines Gefühls gemacht, das ich in der Form noch nicht kannte: Glücksschock", freut sich Jakob Lena Knebl.

"Auch ich freue mich außerordentlich, dass die Jury und die Frau Staatssekretärin unseren Vorschlag aus den vielen Einreichungen ausgewählt haben. Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei Karola Kraus bedanken, dass sie an uns glaubt und mit uns diesen Weg gehen will. Mein Dankeschön geht auch an die vielen anderen Unterstützerinnen und Unterstützer, die es uns ermöglicht haben, bis hierher zu kommen. Wir werden Euch nicht enttäuschen", so Ashley Hans Scheirl.

Über die Künstlerinnen

Jakob Lena Knebl, 1970 in Baden bei Wien geboren, war 10 Jahre in der Altenpflege tätig, bevor sie an der Universität für angewandte Kunst bei Raf Simons Mode und an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Heimo Zobernig textuelle Bildhauerei studierte. Sie verantwortete 2017 im mumok eine viel beachtete Neuaufstellung der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, die sie gemeinsam mit eigenen, neu konzipierten Arbeiten und Mut zur Exzentrik auf zwei Ebenen des Museums präsentierte.

Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung war gleichzeitig ihre erste umfassende Museumsausstellung, die von der Presse begeistert aufgenommen wurde. Im gleichen Jahr wurde Jakob Lena Knebl vom Bundeskanzleramt der Outstanding Art Award im Bereich bildende Kunst verliehen. In ArtNews wurde sie 2019 in der Rubrik "Best curators of the decade" gelistet. Derzeit hat Jakob Lena Knebl Einzelausstellungen in der Galerie Kargl, Wien, und im Lentos Linz. Sie wurde von Marc Olivier Wahler, dem Direktor des Musée d’Art et d’histoire in Genf eingeladen, im nächsten Jahr seine Antrittsausstellung auszurichten. Ausgangspunkt ihres raumstrategischen Ansatzes ist oft eine fotografische Inszenierung, die den Körper sowie die Identitäts- und Begehrenskonstruktionen in Beziehung zu bildhauerischen Objekten und den materiellen sowie sozialen Räumen setzt. Durch diese Vorgehensweise entstehen raumgreifende und teilweise betretbare Installationen, Settings oder Inszenierungen, die von unterschiedlichen Ästhetiken, Medien, Materialien und intensiven Atmosphären geprägt sind. Ihre Referenzen kommen aus der Kunst- und Designgeschichte und jenen Bewegungen, die diese verbunden haben.

Ashley Hans Scheirl, 1956 in Salzburg geboren, studierte von 1975 bis 1980 an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss 2003 ihr Masterstudium der Bildenden Kunst am Central Saint Martins College in London ab. Sie hatte in den letzten Jahren umfangreiche Einzelausstellungen, zuletzt 2018 im Kunstverein Salzburg und im Künstlerhaus Graz, und war an internationalen Gruppenausstellungen wie 2017 bei der documenta 14 beteiligt. Ihre künstlerische Praxis begann Ende der 1970er-Jahre mit einer Vielfalt an verwendeten Medien. Danach konzentrierte sie sich 20 Jahre lang auf das bewegte Bild.

Mit ihren über 50 Filmen und dem transgender Kultfilm Dandy Dust zählt sie seither zu den PionierInnen der queeren Bewegung im Feld der Kunst. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Malerei ins Zentrum ihres Interesses gerückt, eine Malerei, die installativ, also durch Einbeziehung von Architektur, Kontext, Objekten, Videoloops und nicht zuletzt der Bewegung der BesucherInnen erfahrbar wird. Ashley Hans Scheirl wurde 2019 vom Bundeskanzleramt mit dem Österreichischen Preis für bildende Kunst ausgezeichnet.

Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl treten sowohl in Einzelprojekten als auch als Künstlerinnenduo in Erscheinung, zuletzt mit einer fulminanten raumgreifenden Installation bei der Biennale in Lyon. Im Jahr 2021 sind sie zu einer Ausstellung im Musée d‘Art de Joliette in Quebec eingeladen. Die beiden Künstlerinnen verbindet eine intensive Auseinandersetzung mit der Konstruktion und Dekonstruktion von Identitäten. Analog zu einer bewussten, aktiven Mitgestaltung bei der Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeiten, werden in der künstlerischen Arbeit die Identitäten von Medien, Stilen, Disziplinen und Genderkonstruktionen hinterfragt und durch ‚queere‘ Operationen in Bewegung gesetzt, hybridisiert, transformiert und de_kontextualisiert. Dabei verbinden sich zwei Generationen ebenso wie zwei verschiedene Herangehensweisen.

Österreichischer Pavillon

Für den österreichischen Pavillon konzipieren Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl bühnenartige Installationen, in denen sich ihr gesamter künstlerischer Kosmos ausbreitet – von Malereien über Textilarbeiten, Fotografien, Objekten, Soundarbeiten, Video bis hin zu Hologrammen und interaktiven Apps. Diese „Begehrensräume“ irritieren konventionelle Vorstellungen musealer Präsentationen und unterlaufen die Hierarchien von Kunst und Design, von High and Low. Sie eröffnen einen Raum für Identitätskonstruktionen, Begehren und sinnliche Erfahrung und können als Befreiung von Konventionen verstanden werden – für sich selbst und für die Betrachterinnen und Betrachter. Parallel zu ihren räumlichen Interventionen planen die Künstlerinnen ein umfangreiches Begleitprogramm. (25. Februar 2020)

Fotogalerie

Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl