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Zeichen der Erinnerung für Ilse Aichinger auf der Wiener Schwedenbrücke enthüllt Im Andenken an die Schriftstellerin Ilse Aichinger, deren Geburtstag sich am 1. November zum 100. Mal jährte, wurde am 3. November 2021 auf der Wiener Schwedenbrücke ein neues Denkmal enthüllt.

Das von der Bühnenbildnerin Elisabeth Eich, der Schwiegertochter Ilse Aichingers, entworfene Erinnerungszeichen wurde vom Österreichischen Kunstsenat gemeinsam mit dem Kunstverein Wien/Alte Schmiede errichtet. Es verwendet Aichingers Gedicht "Winterantwort" als Schriftzug auf dem Geländer der Schwedenbrücke. Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und die Stadträtin für Kultur und Wissenschaft in Wien, Veronica Kaup-Hasler nahmen gemeinsam mit der Geschäftsführerin der S. Fischer Stiftung Berlin, Antje Contius, und dem Präsidenten des Österreichischen Kunstsenats, dem Schriftsteller Josef Winkler, die feierliche Enthüllung vor.

Sie sei sich nicht sicher, so Staatssekretärin Mayer in Ihrer Rede bei der Enthüllung, ob Ilse Aichinger selbst sich jemals ein Denkmal in ihrem Namen gewünscht hätte:

"Sie war eine Autorin, die sich stets in Zurückhaltung übte. Sie sah alles skeptisch, was mit Pomp und Bravour auftrat und nach Ehrung oder gar Verehrung verlangte. Die großen Wörter wusste sie zu vermeiden.“ Aber, so die Staatsekretärin: "Als ich hörte, dass ein Gedicht Ilse Aichingers im öffentlichen Raum präsentiert werden soll, fand ich den Plan mehr als überzeugend. Und als ich erfuhr, dass es sich um das Gedicht ‚Winterantwort‘ handeln würde und der Ort für dieses Erinnerungszeichen die Schwedenbrücke sein werde – konnte ich mir gut vorstellen, dass auch Ilse Aichinger mit dieser Art des Gedenkens einverstanden gewesen wäre."

"Das gemeinschaftliche, öffentliche Erinnern ist für unsere Gesellschaft von großer, sinnstiftender Bedeutung. Daher freut es mich, dass sich von nun an die zahlreichen Passant:innen, die täglich die Schwedenbrücke frequentieren, mit dem Gedicht von Ilse Aichinger und der Geschichte dieser Stadt konfrontiert sehen," meinte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. "Aichingers eindringlicher Aufruf zur schonungslosen Eigenanalyse und gegen die Verdrängung der Geschichte darf nie verhallen. Das heute enthüllte Erinnerungszeichen wirkt genau in diesem Sinne und führt uns vor Augen, was Worte zu bewirken vermögen."

Auf der Schwedenbrücke erlebte Aichinger im Jahre 1942 ein lebensbestimmendes Ereignis: Sie musste zusehen, wie drei ihrer engsten Verwandten, darunter ihre Großmutter, auf einem LKW in Richtung Maly Trostinez bei Minsk deportiert wurden. Dort wurden sie ermordet. Dieses Erlebnis ist für Ilse Aichingers Leben und Werk von bestimmender Bedeutung geblieben und verbindet ihre Familiengeschichte mit der großen Anzahl der von den Nationalsozialisten Deportierten und Getöteten. Das von der Bühnenbildnerin Elisabeth Eich, der Schwiegertochter Ilse Aichingers, entworfene Erinnerungszeichen mit Aichingers Gedicht "Winterantwort" als zentralem Bezugspunkt bringt diese existentielle Verbundenheit auf einzigartige Weise zum Ausdruck.

Das Erinnerungszeichen wurde durch das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport und die Stadt Wien gefördert. Auch die S.Fischer Stiftung Berlin unterstützte die Errichtung.

(3. November 2021)