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Europäisches Dombauhüttenwesen als gutes UNESCO-Praxisbeispiel ausgezeichnet Zusammen mit weiteren internationalen Beispielen wurden die Dombauhütten des Linzer Mariendoms und des Wiener Stephansdoms in das "UNESCO-Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung immateriellen Kulturerbes" aufgenommen.

Im Rahmen der UNESCO-Tagung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes ist am 18. Dezember das Dombauhüttenwesen in das „UNESCO-Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen worden.

Die berühmten Kathedralen Europas – wie der Wiener Stephansdom, der Kölner Dom oder der Straßburger Liebfrauenmünster – könnten ohne Bauhüttenwesen nicht erhalten werden. Seit Jahrhunderten vereinen die Dombauhütten Wissen und Handwerksfähigkeiten aus unterschiedlichen Zünften und stellen die kontinuierliche und nachhaltige Pflege solcher historischer Bauwerke sicher. Die gemeinsame Einreichung erfolgte von Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz.

Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer gratuliert den einreichenden Dombauhütten: "Mit der Anerkennung des europäischen Dombauhüttenwesens als Musterbeispiel für die Erhaltung traditioneller Handwerkstechniken durch die UNESCO wird jenen die gebührende Wertschätzung zuteil, die den Fortbestand unseres Kulturerbes sichern. Allzu oft ist uns nicht bewusst, welch spezielle Fertigkeiten dafür erforderlich sind, historische Bauwerke und Kunstschätze zu erhalten. Kulturelles Wissen kann verloren gehen, wenn wir nicht aktiv seinen Erhalt pflegen und seine kreative Weitergabe fördern. Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem tollen Erfolg. Mein besonderer Respekt gilt den Dombauhütten Mariendom Linz und zu St. Stephan Wien."

Auch Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, schließt sich der Gratulation an: "Wir freuen uns über diese internationale Anerkennung des Dombauhüttenwesens durch die Aufnahme in das internationale UNESCO-Register. Seit dem Mittelalter wird in diesen Werkstätten interdisziplinär und in verschiedenen Gewerken gemeinsam am Erhalt der Bauwerke ge¬arbeitet. Techniken zur Restaurierung und Instandhaltung werden so innerhalb eines grenzüberschreitenden Netzwerks von Generation zu Generation weitergegeben."

UNESCO-Register guter Praxisbeispiele (Register of Good Safeguarding Practices)

Insgesamt haben sich für diesen erfolgreichen Antrag um Aufnahme in das UNESCO-Register guter Praxisbeispiele 18 Bauhütten aus fünf europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Norwegen, Österreich und die Schweiz) zusammengeschlossen. Aus Österreich sind die Dombauhütten St. Stephan und Mariendom Linz dabei.

Das beispielhafte Engagement der Bauhütten für die Erhaltung von handwerklichem Können und Wissen als immaterielles Kulturerbe und ihre gezielten Maßnahmen, etwa im Bereich Vermittlung, sollen weltweit als Modell für den Erhalt von Großbauwerken dienen und das Verständnis für Großbauwerke, deren Baubetrieb, Bauorganisation und Bautechnik fördern.

Das UNESCO-Register guter Praxisbeispiele ist eine von insgesamt drei internationalen UNESCO-Listen im Bereich „immaterielles Kulturerbe“. Es zeichnet erfolgreiche Programme, Projekte und Tätigkeiten zur Erhaltung und Weitergabe des immateriellen Kulturerbes aus, die die Prinzipien und Ziele der Konvention im bestmöglichen Sinn umsetzen, d.h. die Erhaltung, Achtung und Förderung des immateriellen Kulturerbes.

Viele Gewerke, ein Ziel: Der Erhalt von historischen Bauten

Die Praxis des Bauhüttenwesens bildet sich im Mittelalter um die Baustellen der Großkirchen in ganz Europa heraus. Bei den Bauhütten handelt es sich damals wie heute um Werkstätten in unmittelbarer Nähe der Großkirchen, in denen verschiedene Gewerke eng im Verbund am jeweiligen Bau zusammenarbeiten und ihr Wissen bewahren, indem sie es von Generation zu Generation weitergeben. Seit dem Spätmittelalter sind die Bauhütten untereinander eng verbunden, so dass sich ein überregionales, über Landesgrenzen hinausgehendes Netzwerk gebildet hat.

Eine Bauhütte setzt sich aus der Gesamtheit ihrer Mitarbeiter*innen zusammen, von den Lehrlingen über die Gesellinnen und Gesellen bis zu den Hüttenmeisterinnen und Hüttenmeistern. Sie geben Wissen, handwerkliche Fertigkeiten und Fähigkeiten verschiedenster Gewerke weiter, bilden Nachwuchs aus, halten Feste und Rituale lebendig, dokumentieren ihre Arbeiten und repräsentieren das Bauhüttenwesen nach außen. Das Bauhüttenwesen trägt somit zur permanenten und nachhaltigen Pflege des jeweiligen Domes bei. Es ist ein Garant für die Erhaltung und Weitergabe traditioneller Handwerkstechniken sowie für eine denkmalgerechte, nachhaltige und dauerhafte Erhaltung historischer Großbauten.

Das Dombauhüttenwesen als zweite internationale Einreichung von Österreich im Bereich Handwerk

Seit 2016 ist Österreich mit drei österreichischen Handwerkzentren – das Hand.Werk.Haus Salzkammergut (OÖ), das Textile Zentrum Haslach (OÖ) und der Werkraum Bregenzerwald (V) – im internationalen Register guter Praxisbeispiele vertreten. Mit der Aufnahme des Elements „Das Bauhüttenwesen der Großkirchen Europas – Weitergabe, Dokumentation, Bewahrung und Förderung von Handwerkstechniken und -wissen“ gibt es nun eine zweite österreichische Eintragung im internationalen Register.

Weltweit umfasst das internationale Register aktuell 22 Eintragungen. Die Eintragung in dieser Liste zeigt beispielhafte und erfolgreiche Erhaltungsmaßnahmen des immateriellen Kulturerbes. Weitere Beispiele guter Praxis sind: Die Ausbildung in traditioneller indonesischer Batik-Technik (Indonesien), das Zentrum für indigene Kunst in Veracruz, Mexiko, sowie der Bau von Oselvar-Booten in Norwegen.

(18. Dezember 2020)