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25. März 2020: Staatssekretärin Lunacek vergibt Literaturpreise 2020

Auszeichnungen gehen an Drago Jančar, Gertraud Klemm, Kathrin Röggla, Leonora Leitl, Renate Habinger und Thomas Macho

"Wir leben gerade in einer für uns alle sehr herausfordernden Zeit. Dennoch möchte ich heute unsere diesjährigen Literaturpreisträgerinnen und -träger bekannt geben, die Ende Februar von unseren Expertinnen und Experten in den Jurys nominiert worden sind. Bücher geben uns die Möglichkeit innezuhalten und Abstand zu gewinnen. Bücher – und sie werden von vielen Buchhandlungen auch nach Hause geliefert – helfen uns zu reflektieren, zu lernen und Hoffnung zu schöpfen. Sie entführen uns in andere Zeiten und an unbekannte Orte. Sie zeigen uns Menschen, und was diese erfahren, erleben, fühlen und denken. Und oft legen sie Einspruch ein – gegen kleine und große Übel, gegen Ignoranz und Überheblichkeit, gegen Unrecht und Unmenschlichkeit," so Staatssekretärin für Kunst und Kultur Ulrike Lunacek.

Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur geht an Drago Jančar

Drago Jančar
Drago Jančar Foto: Joûe Suhadolnik/Delo

Der slowenische Romancier, Erzähler und Essayist Drago Jančar wird mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur ausgezeichnet.

Der Preis wird jährlich für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Mit Drago Jančar wird ein Schriftsteller mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur geehrt, dessen Werk bezeugt: ohne Widerspruch, ohne Widerrede bleibt jedes Bild unvollständig und in der Tendenz totalitär. Drago Jančars vielgestaltiges Werk ist durchdrungen von einer "Offenheit voller Zweifel". Drago Jančar schreibt seit jeher im Bemühen darum, Simplifizierungen als etwas kenntlich zu machen, das letztlich auf die Vernichtung der Menschlichkeit hinausläuft. 
"Am Einzelnen die Verwerfungen unserer Geschichte eindringlich nachvollziehbar zu machen: darin liegt eine der großen Stärken seiner Literatur", so die Jury-Begründung. 

Die Übersetzungen seiner Werke ins Deutsche stammen von Daniela Kocmut und Klaus Detlef Olof. 

Jurymitglieder: Mag.a Dr.in Katja Gasser, Mag. Cornelius Hell, Dr. Alexander Potyka, Dr.in Martina Schmidt, Anne-Catherine Simon

Outstanding Artist Award für Literatur geht an Gertraud Klemm

Gertraud Klemm
Gertraud Klemm Foto: Pamela Rußmann/www.pamelarussmann.at

Gertraud Klemm wird mit dem Outstanding Artist Award für Literatur ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich an eine Autorin bzw. einen Autor der jüngeren oder mittleren Generation vergeben, die/der bereits wichtige literarische Veröffentlichungen vorweisen kann. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Gertraud Klemm gelang es in bislang fünf, in rascher Abfolge seit 2015 erschienen Romanen, Feminismus nicht nur zu propagieren, sondern auch literarisch erfolgreich umzusetzen. Sie versteht es nicht nur, ständig sich verändernde, neue Fragestellungen einer Gesellschaft des permanenten Wandels in ihre Texte zu integrieren, sie erinnert auch auf unmissverständliche Weise an die Aktualität alter Themen: zentral ist dabei noch immer die Forderung nach der Gleichberechtigung von Frauen, die mittlerweile allzu gerne als selbstverständlich abgetan wird.

"Gertraud Klemm ruft mit ihren Büchern vor allem in Erinnerung, dass alles Schreiben über jenen utopischen Kern verfügen muss, der einmal folgendermaßen definiert wurde: "Keine neue Welt ohne neue Sprache!", so die Jury.

Jurymitglieder: Dr. Bernhard Fetz, Erich Klein, Barbara Neuwirth

Österreichischer Kunstpreis für Literatur geht an Kathrin Röggla

Röggla Kathrin
Kathrin Röggla Foto: Jürgen Bauer

Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird Kathrin Röggla zuerkannt. Der Preis wird jährlich für das literarische Gesamtwerk einer österreichischen Autorin bzw. eines österreichischen Autors vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.Kathrin Röggla hat sich in den vergangenen Jahren als eine der innovativsten und relevantesten Stimmen der gesamten deutschsprachigen Literatur ihrer Generation etablieren können, wovon nicht nur zahlreiche Preise zeugen, sondern auch eine inzwischen beachtliche Intensität an literaturwissenschaftlicher Rezeption.

Ihr vielfältiges, konventionelle Gattungsgrenzen überschreitendes Schreiben deckt ein auffällig breites Spektrum ab: Prosatext und Theater, Essayistik, Hörspiel und zuletzt die multimediale Installation.
"Schon seit ihren Anfängen widmet sich Röggla der Darstellung, Analyse und Kritik der Gegenwartsgesellschaft, des neoliberalen Ausnahmezustands und seinen sozialen wiesprachlichen Verwerfungen. Gerade diese doppelte Optik zeichnet ihr literarisches Œuvre aus", so die Jury.

Jurymitglieder: Dr.in Maja Haderlap, Dr.in Daniela Strigl, Univ.-Prof. Dr. Norbert Christian Wolf

Outstanding Artist Award für Kinder- und Jugendliteratur geht an Leonora Leitl

Leonora Leitl
Leonora Leitl Foto: lichtblick / Julia C. Hoffer

Leonora Leitl erhält den Outstanding Artist Award für Kinder- und Jugendliteratur 2020. Der Preis wird biennal vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Die bisherigen Arbeiten von Leonora Leitl im Bereich der Kinderliteratur sind geprägt durch große Vielfalt. Das betrifft sowohl das Genreangebot, das vom Sagenbuch über das erzählende Sachbuch und das Bilderbuch zum philosophischen Fragebuch reicht, als auch die dafür genutzten illustratorischen Stile und Techniken. "Leonora Leitl stellt scheinbar naive Figurengestaltungen in kräftiger Farbigkeit in den Vordergrund, weiß aber die Komplexität der jeweiligen Texte künstlerisch zu inszenieren, indem sie nicht nur mit Buntstift und Collagetechniken arbeitet, sondern auch zu ganz ungewöhnlichenMaterialien greift", begründet die Jury.

Jurymitglieder Outstanding Artist Award für Kinder-und Jugendliteratur: Mag. Gerhard Falschlehner, Mag. Heinz Janisch, Dr.in Heidi Lexe, Klaus Nowak, Linda Wolfsgruber

Österreichischer Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur geht an Renate Habinger

Renate Habinger
Renate Habinger Foto: Renate Habinger

Der Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur wird an Renate Habinger verliehen. Der Preis wird biennal vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.

Renate Habinger ist seit nunmehr rund 40 Jahren als Illustratorin und Autorin eine Ausnahmeerscheinung in der österreichischen Kinderbuchszene, die sie auch als Gründerin eines eigenen Kinderbuchhauses wesentlich mitgestaltet hat.

"Ihr umfangreiches Werk ist geprägt von der Lust am (Sprach-)Spiel, setzt vermeintliche Kleinigkeiten groß in Szene und erkundet ein ums andere Mal mit variierenden stilistischen Mitteln die Möglichkeiten und Grenzen des Erzählens in Wort und vor allem mit Bildern. Beeindruckend ist überdies, dass die Künstlerin bei aller Vielfältigkeit ihres Schaffens stets eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt", so die Jury.

Jurymitglieder Österreichischer Kunstpreis 2020 in der Sparte Kinder-und Jugendliteratur: Mag. Gerhard Falschlehner, Mag. Heinz Janisch, Dr.in Heidi Lexe, Klaus Nowak, Linda Wolfsgruber

Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik geht an Thomas Macho

Thomas Macho
Thomas Macho Foto: Jan Dreer für IFK

Den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik erhält Thomas Macho. Der Preis wird biennal vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Unter den Bedingungen einer Wissensgesellschaft, die in Fachleuten zerfällt, gelingt Thomas Macho in seinem Denken und Schreiben auf erstaunliche Weise zweierlei: Er lässt sich von seiner Sympathie für Abzweigungen und Nebenwege leiten und bleibt zugleich auf eine Hauptfrage konzentriert – in seinem Fall: Tod und Sterblichkeit.

Er legt seinen Arbeiten ein Netz an Lektürereferenzen zugrunde, das einer übergreifenden Perspektive standhält und ihm erlaubt, stets mehrere kulturelle Felder in seine Überlegungen mit einzubeziehen: Politik und Recht ebenso wie Philosophie und die Künste.
"Seinebesondere kulturpublizistische Leistung besteht nicht zuletzt in seinen klug gesetzten Zitaten. Wie kaum ein anderer weiß Thomas Macho die Verknüpfung menschlichen Handelns mit politischen, kunstgeschichtlichen und mythischen Narrativen sichtbar zu machen", so die Jury.

Jurymitglieder: Mag. Dieter Bandhauer, Dr. Martin Pollack, Mag.a Andrea Fredriksson-Zederbauer.

"Ich gratuliere den Autorinnen und Autoren sowie den beiden Illustratorinnen herzlich zu den Auszeichnungen. Sobald es wieder möglich sein wird, Veranstaltungen abzuhalten, werden wir mit den Planungen für die Verleihungen beginnen, damit wir dann mit den Literaturbegeisterten unseres Landes diese wunderbaren Künstlerinnen und Künstler feiern können", erklärt Staatssekretärin Lunacek. (25. März 2020)