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18. Internationale Architekturbiennale in Venedig 2023: Kollektiv AKT und Hermann Czech gestalten österreichischen Beitrag

Im Zuge eines Pressegesprächs stellte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer am 17. Februar gemeinsam mit Jurymitglied Prof. Tulga Beyerle die Kurator:innen und Gestalter:innen für den Österreich-Beitrag zur 18. Internationalen Architekturausstellung in Venedig vor. Aus dem Projektwettbewerb des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport ging das Projekt Beteiligung / participation des Architekturkollektivs AKT in Zusammenarbeit mit dem Architekten Hermann Czech als Sieger hervor.

Standbild Youtubevideo "Biennalebeitrag 2023"
 Präsentation des österreichischen Beitrags zur Architektur-Biennale 2023
Andrea Mayer, Kunst- und Kulturstaatssekretärin: "Ich freue mich, mit AKT und Hermann Czech ein hochqualifiziertes, international vernetztes und generationenübergreifendes Team für die Architekturbiennale 2023 gewonnen zu haben. Das Votum für das Team war einstimmig. Sowohl das innovative und partizipative Konzept, die hohe Qualität des Projektvorschlages, die theoretischen und gestalterischen Ansätze wie auch die konkrete Umsetzungsplanung haben überzeugt. Das Kollektiv AKT und Hermann Czech stellen relevante Zukunftsfragen – in ihrem Projekt arbeiten sie in und mit der Stadt, sie agieren inklusiv und denken Nachhaltigkeit mit. Ich wünsche dem Team eine gute Umsetzung und freue mich auf eine vielversprechende Ausstellung im Jahr 2023."

Das Architekturkollektiv AKT und Hermann Czech planen mit ihrem Beitrag nicht nur eine Ausstellung, vielmehr einen gesellschaftlich wirksamen temporären Umbau des österreichischen Pavillons. Im Zentrum dieses architektonischen Eingriffs stehen die Gegensätze öffentlich/privat, zugänglich/nicht zugänglich, gemeinschaftlich/individuell.

Der Pavillon liegt an der nordöstlichen Grenze des Biennale-Areals, den Giardini della Biennale. Der dahinterliegende Stadtteil Sant´Elena ist eines der wenigen noch überwiegend von lokaler Bevölkerung bewohnten Viertel Venedigs. AKT und Hermann Czech brechen durch die historische Grenzmauer und verschieben die Trennung zwischen Biennale und Stadt in den Pavillon. Beteiligung / participation teilt den Pavillon und schließt einen Teil des Gebäudes an den Stadtteil Sant´Elena an. Dieser Bereich ist als öffentlicher Raum zugänglich und steht der Bevölkerung zur Verfügung.

Eine Wand trennt den symmetrischen Pavillon schon im Eingangsbereich in zwei Haupträume. Der östliche Teil samt Hof wird über den neu hergestellten Zugang von Sant´Elena aus erschlossen. Dieser wird den Bewohner:innen und lokalen Initiativen als öffentlicher Versammlungsraum zur Verfügung gestellt. Der westliche Teil bleibt von der Biennale aus zugänglich. Dort werden Sant´Elena, aktuelle Herausforderungen dieses strukturschwächeren Stadtteils, seine Lebenswelt und das Konzept von AKT und Hermann Czech erläutert.

Obwohl die jeweils andere Seite nicht direkt erreicht werden kann, sehen und hören die Bewohner:innen Sant´Elenas und die Besucher:innen der Biennale einander; die Anwesenheit der jeweils anderen wird wahrgenommen. Aus Abschottung wird Beteiligung, aus beziehungsloser Trennung wird inhaltliche und räumlich erlebbare Nachbarschaft.

Aus dem Pavillon heraus entsteht durch seinen Umbau wechselseitig ein neues, verdichtetes Verhältnis zwischen Stadt und Biennale. In beiden Teilen findet ein abgestimmtes Veranstaltungsprogramm statt, einerseits von AKT und Hermann Czech geplant, andererseits durch die lokale Bevölkerung initiiert. Ziel der Veranstaltungen auf beiden Seiten des Pavillons ist ein Austausch zwischen Stadt-Bewohner:innen, Biennale-Besucher:innen und den beteiligten Institutionen und damit eine Zukunftsperspektive für Sant´Elena.

Beteiligung / participation ergänzt den gebauten Eingriff in gesellschaftliche Beziehungen, wie ihn das experimentelle Architekturkollektiv AKT anstrebt, im gemeinsamen Entwurf um den partizipativen und ironischen Architekturbegriff des erfahrenen Architekten Hermann Czech. Der österreichische Biennale-Beitrag 2023 versteht sich in diesem Sinne als generationenübergreifende Annäherung an die Möglichkeiten von Architektur in der gegenwärtigen Gesellschaft, als Dialog sowohl im Denken als auch im Bauen.  

AKT und Hermann Czech freuen sich gemeinsam die Konzeption und die Gestaltung des österreichischen Pavillons auf der 18. Architekturbiennale 2023 in Venedig zu realisieren.

Architekturkollektiv AKT: "Die Stadt kommt in den Pavillon, aus Abschottung wird Beteiligung, aus Trennung wird inhaltliche und räumlich erlebbare Nachbarschaft."

Hermann Czech, Architekt: "Den Hoffmann-Pavillon trennt – wie viele andere in den Giardini – eine Eigenschaft vom Hauptstrom der Moderne: die Symmetrie. Haupt- und Nebenraum wiederholen sich spiegelverkehrt. Dem Inhalt des einen Raums kann ein zweiter gleichrangig gegenübergestellt werden. Gerade diese unmoderne Eigenschaft ermöglicht eine aktuelle räumliche Demonstration: Trennung und Beteiligung."

Nach aktuellem Vergabemodus wurden von den insgesamt 18 Bewerbungen in einer ersten Runde zunächst sechs Projekte (long list) von der Jury ausgewählt. In der zweiten Jurysitzung bekamen die ausgewählten Bewerber:innen Gelegenheit ihre Projekte zu präsentieren – die Jury bildete in Folge einen Dreiervorschlag (short list). Aus diesem wurde schließlich mit Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer das Siegerprojekt festgelegt.

Der Jury gehörten an: Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal, Dipl.-Ing.in Elke Delugan-Meissl, Prof. Tulga Beyerle, Mag.a Marta Schreieck und Mag.a Anna Heringer.

Jurymitglied Tulga Beyerle, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg: "Die Einreichungen waren divers und allesamt sehr spannend, denn sie bildeten die Bandbreite des aktuellen architektonischen Diskurses ab. Der ausgewählte Beitrag von AKT und Hermann Czech begeistert uns, da er sich einerseits der sehr aktuellen Frage der Nutzung öffentlichen Raums stellt, somit auch Fragen der Beteiligung oder dem Recht auf Stadt. Gleichzeitig lebt das Projekt von dem sehr präzisen Eingriff in den Österreichischen Pavillon – der Trennung und Öffnung von eleganter architektonischer Qualität, kombiniert mit Humor und Leichtigkeit. Das Zusammenspiel dieser Themen – der Diskurs über die Nutzung des öffentlichen Raums, kombiniert mit bester Architektur – führte zu dieser einstimmigen Entscheidung der Jury."

Für die gesamte Realisierung steht seitens des Bundes ein Gesamtbudget von bis zu 460.000 Euro zur Verfügung. Etwaige weitere finanzielle Mittel zur Umsetzung des Konzepts sollen durch Sponsor:innen gedeckt werden.

Das Projekt Beteiligung / participation greift ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Thema auf: das Recht auf Stadt sowie das Recht auf gemeinsam genutzten (konsumfreien) öffentlichen Raum. Implizit eingeschlossen ist die Frage nach Beteiligung. Verhandelt wird das Thema an einem speziellen Ort: dem österreichischen Pavillon mit seiner bisher nicht wahrnehmbaren Nahtstelle zum Stadtteil Sant´Elena – ein am Rande der Giardini gelegener Pavillon und ein am Rande der Stadt Venedig liegendes Viertel.

Durch den präzisen Eingriff einer Grenzverschiebung im österreichischen Pavillon thematisiert das Team Zugänglichkeit wie Ausgeschlossenheit gleichermaßen. Darüber hinaus schwingt auch das Verhältnis der Biennale zur Stadt Venedig mit.

Unserer Ansicht nach haben wir ein Projekt gewählt, in dem sich gesellschaftliche Themen, wie die aktuelle Verhandlungsmasse des öffentlichen, allgemein zugänglichen Raums mit einem spannenden architektonischen Eingriff in den Pavillon treffen.

Über AKT
AKT ist ein siebzehnköpfiges Architekturkollektiv mit dem Ziel, die unabhängige und utopische Produktion von Raum zu fördern. Die zunehmend wirtschaftlichen Zwängen folgende Gestaltung unserer Lebenswelt soll durch den Bau konkreter Räume aufgebrochen, unterlaufen und durch alternative Modelle konterkariert werden.

AKT gehören an: Fabian Antosch, Gerhard Flora, Max Hebel, Adrian Judt, Julia Klaus, Lena Kohlmayr, Philipp Krummel, Gudrun Landl, Lukas Lederer, Susanne Mariacher, Christian Mörtl, Philipp Oberthaler, Charlie Rauchs, Helene Schauer, Kathrin Schelling, Philipp Stern und Harald Trapp.
Bisher fanden, mit jeweils individuellen oder kollektiven Beiträgen, folgende Aktionen statt: AKT 1 Europa, Oststation, 2019; AKT 2 EinGang, Am Kempelenpark, 2019; AKT 3 Nachbar:in, Leopoldquartier, 2020; AKT 4 Gast, Club Hybrid, Graz, 2021; AKT 4 Gastgeschenk, banale, Graz, 2021; AKT 5 Einbruch, Vienna Art Week, 2021; demnächst: AKT Bühnenbild Doheem – Fragment d‘intimités, Esch (BE) 2022 – Esch-sur-Alzette Europäische Kulturhauptstadt 2022.

Über Hermann Czech
Geboren in Wien. Studium u.a. bei Konrad Wachsmann und Ernst A. Plischke. Ungleichartiges architektonisches und planerisches Werk; zahlreiche kritische und theoretische Publikationen zur Architektur. Gastprofessuren an der Harvard GSD, der ETH Zürich und in Wien; zahlreiche Vorträge und Auszeichnungen; Einzelausstellungen u.a. im Architekturmuseum Basel, Teilnahme an der Architekturbiennale Venedig 1980, 1991, 2000 und 2012.

Seine Ausstellungsgestaltungen bedienen sich oft der (auch vorgefundenen) räumlichen Struktur zum Vorteil der inhaltlichen: z.B. "von hier aus", Messe Düsseldorf 1984; "Wien 1938", Wiener Rathaus, 1988; "Wunderblock", Reithalle Wien 1989; "Der Wiener Kreis", Universität Wien 2015; "Josef Frank: Against Design" (auch als Kurator), MAK Wien, 2015; Ausstellung Sigmund Freud Museum Wien 2020.